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outfit & thoughts: choose peace

Ein kalter Abend im März.

Ein Freund und ich sitzen bei einem Latte Macchiato in einem Café im Münchner In-Viertel Haidhausen, das Gespräch dreht sich um Gewalt... Verteidigung... Aufrüsten... Schwäche... Stärke... Heimat... Selbstidentifikation...

"Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu - so läuft das nicht", sagt er. "Ich weiss genau, wie die Welt tickt und bin bereit, es in Kauf zu nehmen, wenn mir jemand Gewalt antut, um sich oder sein Revier zu verteidigen. Denn ich selbst würde es auch verteidigen! Da, wo meine Frau und Kinder sind, verstehe ich keinen Spass. Ich muss eine Entscheidung treffen, und die wird immer für die Meinen sein!" Wow, das klingt mehr als realistisch, und sogar schön, vor allem für die, die "die Deinen" sind, ist mein erster Gedanke. Das klingt so bodenständig und naturnah, ein Mann, der bereit ist, seine Familie zu verteidigen. Aber mein Gefühl regt sich und sagt - Gewalt gegen Gewalt ergibt doppelte Gewalt! Und das widerstrebt mir! Das Problem: argumentieren kann man auf viele verschiedene Arten, und es kann sich wohl kaum jemand anmassen, genau zu wissen, dass seine eigene Argumentation objektiv richtig ist und die des Gegenübers objektiv falsch. Aber entscheiden muss man sich dennoch. Und ich entschied mich für den Frieden. "Ja, es ist einfach, sich dafür zu entscheiden, wenn kein Krieg ist, wenn keiner vor dir steht, der gerade dein Heim zerstört oder deinen Lieben etwas angetan hat", sagt er. Das stimmt. "Ich will mir das gar nicht vorstellen, wie das sein muss", antworte ich.  "Aber ich weigere mich, mir meine Entscheidung für den Frieden und gegen die Gewalt als Schwäche und Unwissenheit auslegen zu lassen. Das entmündigt mein ganzes Wesen und im gleichen Wisch eine Haltung, die sich die Menschheit über Jahrhunderte bitter erarbeiten musste".

 "Warte nur", sagt er, "bis du einem von diesen Flüchtlingen begegnest,

die dich nicht für einen Menschen halten, weil du eine Frau bist. Wenn sich so einer an Frauen vergeht, weil er meint, die Frauen sind den Männern zur Verfügung gestellt, dann bin ich ja gespannt, ob du noch so friedfertig bist". "Moooooment!!!", spätestens jetzt bin ich aufgebracht,

"Die Argumentation hinkt gewaltig!! Erstens, schere nicht alle Flüchtlinge, Muslime oder Ausländer über einen Kamm!  Zweitens: wenn ich so jemanden treffen würde, das wäre ganz schlimm für mich und ich hätte sicherlich Hassgefühle oder Aggressionen ihm gegenüber! Wenn jemand mein (imaginäres) Kind angreifen würde - ich würde es bestimmt verteidigen! Aber es obliegt meiner Verantwortung, keine politischen, keine verallgemeinernden und keine menschenhassenden Schlüsse daraus zu ziehen, das heißt - wenn ein Muslim total daneben ist - denke ich nicht, dass alle Muslime total daneben sind! Wenn mir ein blonder Typ was antut - hasse ich nicht alle blonden Typen! Wenn ich was hasse - dann Verallgemeinerungen!". "Du bist einfach so naiv", erwidert er. "Naiv und gutgläubig". Jetzt bin ich richtig sauer. "Das mag sein! Allerdings finde ich, dass eher du naiv bist, unter all deinem Realismus-Deckmantel. Denn du lässt dich manipulieren von den rechten Meinungsmachern und denkst dabei auch noch, du würdest deine ganz eigenständige Meinung vertreten".

"Lass uns das Thema wechseln", meint er. "Da werden wir uns nicht einig".

„Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg´ auch keinem andern zu“, versuche ich einzuwenden.  "Nein", sagt er. "Ich weiss, wie die Welt tickt und bin bereit, es in Kauf zu nehmen, wenn mir jemand Gewalt antut, um sich oder sein Revier zu verteidigen."

Wie traurig, wenn die Politik selbst Freundschaften spaltet! Welch ein Warnzeichen, dass mit unserer Gesellschaft was nicht stimmt!

Unzufriedenheit und Zukunftsangst werden schon immer, aber auch besonders vor der Bundestagswahl knallhart instrumentalisiert, um Stimmen zu gewinnen. Viele meinen: die Flüchtlinge samt einer gewissen Dame namens Merkel loszuwerden, sei die Lösung für unsere Gesellschaft. Allerdings ist das dasselbe, wie Haltungsschäden mit einer Schmerztablette bekämpfen zu wollen, statt Krankengymnastik zu machen und die richtige Haltung zu üben. Ist natürlich auch viel einfacher und wirkt sogar - vorerst. Bis sich die Lage zuspitzt und eine Operation nötig wird. Auch wenn ich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein bin - ich gehe wählen. Wenn viele kleine Körperzellen die richtige Haltung einnehmen, beeinflusst das den ganzen großen Organismus. Und zumindest kann sich die kleine Zelle dann nicht vorwerfen, dass sie an dem Haltungsschaden mitschuldig ist. 

Frieden ist eine Entscheidung, die immer wieder aufs Neue getroffen werden will.

In vielen Lebenslagen - einem verwirrenden Gespräch über das komplexe Thema "das menschliche Miteinander" oder in einer schwierigen Situation, immer wieder muss man seine Position überprüfen, und immer wieder aufs Neue Hass und Gewalt ablehnen. Schon Kant meinte, dass gerade die Fähigkeit, sich gegen den eigenen Vorteil zugunsten anderer Menschen zu entscheiden, den freien Willen eines Menschen bedeutet. Seinem Egoismus und seinen Trieben nachzugeben, bedarf es keinen freien Willens! Diese Haltung und diese Fähigkeit, sich für den Frieden zu entscheiden, sollten wir uns bewahren, denn sie markiert vielleicht als einzige die Grenze zwischen Menschsein und Tiersein.


Hier ist übrigens ein ganz toller Post darüber, warum wir als Blogger nicht an der Politik desinteressiert sein dürfen!

I am wearing:

"Choose Peace" shirt: Monki

skirt: Asos (old, similar here)

shoes: Zara (old, but similar)

bag: COS

sunnies: Roberto Cavalli

Dieser Post enthält affiliate Links

photos: Vickie

Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg.

                                                                                                                                                                                              Mahatma Gandhi

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Humor Leben thoughts

Esra´s Ratgeber Vol. 2: wie man sich am effektivsten unbeliebt macht

Meine Lieben, willkommen zum Teil 2 der bitter ernst gemeinten Ratgebers hier auf Nachgestern ist vormorgen!

Teil 1 handelt vom Busy-Sein par Excellence und kann hier gelesen werden!

Heute geht es um die Skills, die man unbedingt entwickeln muss, wenn man sich unbeliebt machen will! Hier habt ihr es mit einem absoluten Experten seines Fachs zu tun, der genau weiß, von was er spricht – und dieser Experte bin ich, tadaaa! Siehst du etwa Rot? Das bin doch nur ich, höhö.

Los geht´s – hier die ultimative Anleitung zum sich-unbeliebt-Machen! Nachmachen definitiv empfohlen!


 

1. Mach immer das, was die anderen von dir wollen!

Du glaubst, dass dich niemand mag, wenn du unnachgiebig, egoistisch, verständnislos und unkooperativ bist? Du irrst dich gewaltig! Die menschliche Logik ist schwer nachzuvollziehen, aber genau das Gegenteil ist der Fall – bist du altruistisch und machst immer das, was man von dir verlangt, erntest du Respektlosigkeit und schlechte Stimmung.

Ein Beispiel:  jemand ist beleidigt, weil du nicht ganz ehrlich warst, und verlangt, du sollst ehrlich sein. Daraufhin arbeitest du an dir und bist diesmal ehrlich. Was passiert? Derjenige ist wieder beleidigt! Yesss, Ziel erreicht!

2. Sei ehrlich!

Apropos Ehrlichkeit – die ist der ultimative Weg, sich unbeliebt zu machen! Selbst, wenn du deine Meinung ausschließlich diplomatisch und höflich zum Besten gibst, kannst du mit dieser Methode sehr erfolgreich unbeliebt werden! Sogar noch unbeliebter, als wenn du sie frei Schnauze und frech äußerst. Frech-Sein wird nämlich mit sicherem Auftreten verwechselt, und höflich-Sein mit Unsicherheit ;)

3. Gib deine Fehler zu

Lasst uns mit einem Vorurteil aufräumen – dass Fehler begehen auf Menschen abschreckend wirkt, stimmt nämlich nur bedingt. Es ist viel wichtiger, wie du den Fehler im Nachhinein verpackst! Willst du dich unbeliebt machen – dann gib den Fehler zu und entschuldige dich dafür! Du wirst sehen – sobald du dich für etwas entschuldigst, stempelst du dich selbst auf immer und ewig als schuldig ab – und wird man es dir nicht verzeihen! Klingt paradox? Probier es aus!

 

   

 

 

… du siehst rot?

Vielleicht

siehst du

einfach nur

mich ;)

 

 

 

 

 

4. Sei in dem was du tust gut, sehr gut oder gar besser, als Andere

Ein alter Hut: beliebt sind Menschen, die  b e h a u p t e n,  etwas zu können – aber willst du unbeliebt sein, dann behaupte gar nichts –  s e i  einfach besser! Du wirst merken – ganz viele Menschen werden es nicht ertragen können, und dir gönnen sowieso nicht, und schon kommst du deinem Ziel, unbeliebt zu sein, ein ganzes Stück näher!

5. Gib gute Tipps

Tipps geben hat eine ganz wichtige Auswirkung – der andere fühlt sich verunsichert, und im besten Fall bekommt er sogar Komplexe – weil er spürt, er kann deinen Tipp eigentlich ganz gut gebrauchen. Hilfe anzunehmen wird mit Schwäche Zugeben assoziiert – und das ist total out! ZACK! Tipps verteilt – und schon bist du unbeliebt!

Und der letzte Tipp:

Schreib solche Blogposts, wie diesen, damit jeder aus deinem Bekanntenkreis, der es  u-n-b-e-d-i-n-g-t  will, sich nach Belieben wiedererkennen und alles persönlich nehmen kann!

 

Viel Spaß und Erfolg beim Sich-Unbeliebt-Machen!

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thoughts

thoughts: meine Hassliebe zur Mode

Mitten in der gerade vergangenen Fashion Week erlebte ich eine Art von Rausch, die mich wirklich erschrocken hat. Ironischerweise hatte dieser Rausch mit den Modeschauen (auf den ersten Blick) nichts zu tun. Es war so:

Mitten in der Modewoche hatten Diana und ich etwas Zeit zwischen zwei Shows und gingen nichtsahnend die Strasse lang, als wir ein Store mit der Aufschrift "Sale" erspähten. "Lass kurz reingehen", meinte sie. Schon waren wir drin. Innerhalb von wenigen Sekunden haben wir beide unsere Objekte der Begierde gefunden - oder, wie die Modeverrückten in einer Art Selbstlegitimierung zu sagen pflegen, SIE haben uns gefunden: die 2 kleine süße Box-Clutches. Eine für Diana, eine für mich. Der Rausch setzte ein. Während wir lachten, gestikulierten, und mit der Verkäuferin laut in einem Mix aus Englisch und Deutsch über den Designer der Taschen, das Shoppen und die Mode diskutierten, hingen wir uns die Taschen um. Uns im großen, glänzenden Spiegel betrachtend, sahen wir uns schon damit gutgelaunt die Straßen flanieren und von den Streetstyle-Photographen umringt werden. Als ich mich nach dem Preis der Tasche erkundigte, war der Rausch nicht etwa zu Ende, im Gegenteil - er verstärkte sich. Der Preis war zwar human genug, um den Spontankauf zu verkraften, aber gleichzeitig unvernünftig genug, um einen kleinen, hübschen Adrenalin-Stoß auszulösen. Die Gruppendynamik tat ihr Übriges: zwischen überdrehten Snapchat-Videos von uns, dem Charme des Filial-Chefs und vergnügtem Lachen gingen die Clutches über den Kassentisch.

Wie sagte die weise Modejournalistin Clairette

Mode ist wie Feierngehen: im Rausch der Nacht, des Alkohols, der Musik und der flirtiven Atmosphäre empfindet man ein Gefühl elektrisierender Lebendigkeit. Nichts kann einen aufhalten, man ist stark, cool und unglaublich sexy.

Und dann wacht man am nächsten Tag mit hämmernden Kopf auf und fragt sich: Wozu das alles?

 

Ich habe mir zwar am nächsten Tag nicht die Frage gestellt, wozu das alles war - denn die Tasche gefiel mir auch noch am nächsten Morgen und tut es immer noch - aber dennoch erschrak ich, als ich mich an das Gefühl im Store erinnerte - denn es war wie ein Kontrollverlust, wie etwas, was einen überkommt. 

Mode ist meine große Hass-Liebe.

Warum Hass?

Unsere Liebe zur Mode ist nicht selbstlos. Wir lieben nicht nur schöne Kleidung, tolle Stoffe, innovative Schnitte und Einfälle der Designer, sondern lassen uns leiten von dem Drang nach Selbstoptimierung, der Sehnsucht nach Anerkennung und auch nach eigener Selbstakzeptanz. Kaufen, um dazuzugehören - kaufen, um sich besser zu fühlen - kaufen, um sich zu belohnen... Aber außer der psychologischen Wirkung des Konsums und der Modetrends auf uns fällt auch die Modeindustrie selbst meist sehr negativ auf - und hier entsteht schon der "Hass"-Teil der Hassliebe. Denn wir alle wissen mittlerweile, was hinter den Kulissen alles schief läuft. Und diejenigen von uns, die in der Mode arbeiten, wissen noch viel mehr davon. Und damit meine ich nicht nur das grausame Modelbusiness, die Gier und den Druck in den großen Modehäusern und auch großen Modeketten, sondern auch die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Kleidung, die überzogenen Schönheitsideale, die willenlosen und von der Werbung und PR manipulierten Konsumenten, die fehlende Nachhaltigkeit.

Ich hasse die Tatsache, dass es so viele Modemenschen gibt, die sich völlig unbegründet für ach so exklusiv und für den Nabel der Welt halten.

Ich hasse die Tatsache, dass es so viele hohle Modeblogger gibt, die nichts hinterfragen und allein beim Namen [hier bitte den Namen irgendeines großen Modehauses einsetzen] sich schon willen- und kritiklos allem hingeben, nur weil es sie zum vermeintlichen Erfolg zu führen verspricht.

Ich hasse die Industrie dafür, dass sie ein in Stein gemeißeltes Schönheitsideal aufgebaut hat. Das hat so unendlich viel Leid verursacht und tut es auch weiterhin! Wegen diesem uns aufgezwungenen Konstrukt gilt jeder, der ihm nicht entspricht, als etwas weniger Wertvolles, und was fast noch schlimmer ist: empfindet sich auch selbst oft als "nicht ausreichend".

Wie kann man eigentlich diese Welt trotzdem lieben?

Ich muss manchmal an diese herzzerreißende Szene aus "Der Himmel kennt keine Günstlinge" von Erich Maria Remarque denken. Die Tuberkulose-Kranke Lilian, die aus ihrem Krankenhaus ausbricht und die letzten Monate ihres Lebens in der Freiheit verbringt. Sie nimmt ein sündhaft teures, wunderschönes Kleid mit, sie hängt es vors Fenster, so dass das Licht durchscheinen kann und betrachtet es vom Bett aus. Das Kleid ist ihre Freundin, ihre Begleitung, ihr flüchtiger Trost, ihre letzte Lebensfreude.

Auch wenn es sehr schwer ist, die Grenze zwischen echtem Gefühl und künstlichen Begehrlichkeiten, zwischen Kunst und Fake oder zwischen echter Provokation und bloßer PR zu ziehen (siehe Vetements) - mit der Liebe zur Mode verhält es sich so, wie mit jeder Liebesbeziehung. Man liebt nicht nur "wegen", sondern auch "trotz". Ich hoffe auf Kunst. Ich hoffe auf echte Provokation. Ich liebe die Momente des Glücks, und die sind nicht immer gekauft. Hier auf der Fashion Week hatte ich bei einer Show Tränen in den Augen - von bloßem Zusehen, das nichts mit Konsum zu tun hatte. Ich bin Modebloggerin - und auch ich trage zum europäischen Konsumuniversum bei. Ich versuche, mich bewusst mit dem Thema auseinanderzusetzen, aber bei aller Kritik - ich werde der Mode treu bleiben. 

Denn ich weiß: in dieser Welt des Scheins gibt es auch echte Momente. Und um die geht es mir.

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Kosmetik thoughts

thoughts: schönheitsoperationen

Stell dir vor, du könntest deinen selbst Körper gestalten, so wie du dein Outfit aussuchst. Ohne Grenzen, ohne Richtlinien. Was würdest du tun? Welche Augenfarbe, welche Haare, welche Figur würdest du nehmen? Für welche Körpergröße entscheidest du dich? Welche Gesichtsform?

Und die interessanteste Frage: würdest du dann noch wie du aussehen? Könnte man dich auf der Straße erkennen - oder würdest du dich selbst im Spiegel noch erkennen können? Etwas schmalere Nase hier, glattere /lockigere Haare da, symmetrischere Augen, markantere Wangenknochen, gebräuntere Haut... Man könnte die Liste ewig so weiterführen.

Denn Hand aufs Herz - wer ist mit seinem Äußeren so richtig richtig zufrieden? Wer ist mit seinem Körper ganz arg im Reinen, ohne versteckte Sehnsüchte und verdrängte Komplexe? Also ich - nicht, was aber nicht heißen soll, dass ich es gut finde, mit seinem Äußeren zu hadern. Ganz im Gegenteil!

Ich verabscheue unsere Schönheitsvorstellungen und das Diktat der Medien, die  uns zu Sklaven unserer unerfüllbaren Wünsche machen. Warum tun sie uns das an? Weil man einem komplett und kompromisslos zufriedenen Menschen nicht mehr Produkte in so einer unermesslichen Mengen verkaufen kann. Das ist das Unfaire dran. Unsere tiefsten Sehnsüchte und Wünsche werden benutzt und in "Kaufkraft", oder besser gesagt, Kaufzwang umgewandelt. 

Denn ja, auch Schönheit kann man kaufen - angefangen mit Make-Up-Produkten über Extensions oder dauerhafte Wimpernverlängerung und Botox bis hin zu Schönheitsoperationen. Unser Wunsch nach Liebe und Anerkennung macht uns zu einer einfach Beute für die Beauty- und Fashion-Industrie.

Ist es verwerflich, Make-up zu verwenden? Oder kritisch, mit dem Concealer die Augenringe abzudecken? Wie sieht es mit Waxing aus? Ist Haarentfernung per IPL vernünftig? Schließlich wachsen die entfernten Haare nie nach! Nägel lackieren ist auch etwas unnatürliches - denn von Natur aus sind unsere Nägel bekanntlich unlackiert. Sind Extensions Betrug? Was ist mit Photoshop-Bildbearbeitung? Mit Instagram-Filtern? Mit kaschierender Kleidung? Und wie steht es um Botox-Behandlungen (die sich ja nach paar Monaten zurückbilden)? Und schließlich - sind Schönheitsoperationen zulässig?

Wer anhand von meinen Fragen den Schluss zieht, dass ich gegen Schönheitsoperationen bin - irrt. Ich finde, Schönheitsoperationen sind eine wunderbare Möglichkeit, an sich etwas zu ändern, was einen richtig tiefgreifend stört. Ich bin dafür - aber nur, wenn man sich mit dem Thema wirklich kritisch auseinandersetzt. Wenn man sich bewusst macht, dass wir leicht zu Spielzeugen in der Hand der Industrie mutieren.

Klar wäre es am besten, am menschlichsten und am nachhaltigsten, wenn man "einfach" zu sich stehen und sich annehmen würde, wie man ist. Und ja, es sollte im Inneren passieren, und nicht über das Äußere. 

Da aber der Mensch eine Einheit aus Leib und Seele ist, wer will da das Innere vom Äußeren komplett und sauber trennen können? Was ist, wenn der Leidensdruck über das Äußere sich schon tief ins Innere eingegraben hat? 

Auch Feministinnen spalten sich bei diesem Thema. Manche sagen - beuge dich als Frau nicht dem Schönheitsdiktat der Gesellschaft! Steh dazu, dass du so bist, wie du bist! Andere hingegen (und ich gehöre dazu) erwidern: ich soll dazu stehen, dass ich bin, wie ich bin? Ok, dann tu ich das! Ich bin nunmal so, dass ich x und y seit jeher an mir hasse und die psychologische Ursache diesen Hasses werde ich wohl nicht mehr ändern können - und wenn es mir seit so vielen Jahren nicht gelang, meine Einstellung dazu zu ändern, dann möchte ich die Selbstbestimmung besitzen, über meinen Körper frei verfügen zu können, ohne dafür verurteilt zu werden.

Und wie steht ihr zu dem Thema? Würdet ihr an euch etwas machen lassen? Oder habt ihr schon Erfahrungen damit? 

photos: Irina

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thoughts

thoughts: selber schuld

Versagen, Jammern, lamentieren und verzweifeln ist heutzutage out. Komisch nur, dass die ganze Weltliteratur voll davon ist. Anscheinend gab es früher Menschen, die zu ihren Schwächen standen, sie als Teil des Lebens akzeptierten, und damit zwar kämpften, aber daraus auch ihre Inspiration schöpfen konnten.

Du Opfer!

Schwäche gilt im 21. Jahrhundert als uncool, was am besten durch das Schimpfwort "Opfer" zum Ausdruck kommt (Gottseidank gerät aber "Opfer-Shaming" immer mehr unter Kritik). Laut (zu) vielen Menschen ist jemand, der in schwere Lebensumstände gekommen ist, daran "selber schuld". Dabei gehen sie entweder von ihrer eigenen unversehrten Situation oder von ihrer eigenen positiven Lebenseinstellung aus, die ihrer Meinung nach ihr eigener Verdienst ist, für die sie aber in den meisten Fällen schlichtweg nichts dafür können. Es gibt noch die dritte Spezies, die weder unversehrt noch positiv eingestellt ist, aber den "Pechvögeln" trotzdem die Schuld für ihr Pech gibt - aus Gedankenlosigkeit oder aus Unwillen, den Unglücklichen ihr Unglück zu gönnen (richtig gehört, zu gönnen!) à la "Mir gehts auch nicht gut, mit mir hat auch keiner Verständnis, und trotzdem lasse ich mich nicht hängen und kämpfe". Nein. Auch wenn du selbst unglücklich bist und dagegen kämpfst, musst du einsehen - alle Menschen und alle Ausgangssituationen sind einzigartig. Nur weil keiner Verständnis und Mitgefühl für deine Situation hat, musst du diese Härte nicht auch noch an andere weitergeben. Auch du hast von vielfältigen Lebenswidrigkeiten nur eine theoretische Vorstellung und kannst nur bedingt beurteilen, wie es zu schwarzen Löchern im Leben eines anderen Menschen kommen kann.

#lifegoals

Lustigerweise wird aber auch den Menschen, die in "glückliche", oder sagen wir mal, optimale Zustände hineingeboren werden, oft zugeschrieben, dass sie selbst für ihr Glück gesorgt haben. Die Reichen und Schönen dieser Welt rühmen sich mit Stärke und Willen und wenn man sie fragt, wie sie zum Erfolg kommen, sagen die Ehrlichen und Reflektierten unter ihnen "Ich hatte viel Glück", und diejenigen, die nach Wertschätzung lechzen oder aber einfach nur hohl sind, brüsten sich mit "harter Arbeit". (Natürlich ist harte Arbeit auch mit ein Bestandteil des Erfolgs, aber eher eine Voraussetzung als der einzige Grund!).

Haben wir unser Schicksal tatsächlich in der Hand?

"Selbst schuld" ist so eine Sache. Ob der Mensch tatsächlich einen freien Willen besitzt, wird in der Philosophie seit eh und je heiß diskutiert, und zwar ohne ein eindeutiges Ergebnis. Ob ein Mensch den Willen und die Kraft zur Veränderung besitzt, hängt nämlich von mannigfaltigen Umständen ab. Die Negativität entwickelt oft eine Eigendynamik, und dann kommt es auf die Mentalität des Betroffenen an. Manche haben von Geburt an einen Kampfgeist, während andere höchstens mit ihren Selbstzweifeln und Schuldgefühlen kämpfen, aber nicht mit schweren Lebensumständen. Ob man das auf Knopfdruck einfach ändern kann, wenn man zu hören bekommt "du bist selbst Herr deines Schicksals", ist höchst fragwürdig. Auch gibt es tatsächlich so etwas wie psychische Krankheiten, für die man genauso viel kann, wie beispielsweise für einen gebrochenen Fuß. Die Gratwanderung von "zu faul" über "nicht einsichtig" bis "krank" ist sehr fein und muss mit Vorsicht betrieben werden, stattdessen platzen viele Menschen wie ein Elefant in einen Porzellanladen in die Be- und Verurteilung rein, mit ihrer Überzeugung, es besser zu wissen, als einziger Berechtigung.

Was ich damit sagen will: wir haben viel weniger Einfluss auf unser Leben, als uns suggeriert wird. Wenn ich überlege, warum uns von allen Seiten zugesichert wird, dass wir alles können, wenn wir es nur wollen, habe ich das Gefühl, dass dieser Leitsatz wie ein großes Betäubungsmittel über das ganze Volk gegossen wird, damit man meint, man wäre selbstbestimmt. Denn wer sich selbstbestimmt fühlt, hat keinen Drang  mehr, sich zu befreien und ist leicht lenkbar. Mit anderen Worten: ein Sklave, der meint,  er wäre frei, wird nicht rebellieren.

Schwäche zulassen für ein besseres Miteinander

Es gibt einen Satz "Teile und herrsche". Wenn sich die Gesellschaft in "Gewinner" und "Verlierer" spaltet, ist sie leichter lenkbar. Wenn sie dagegen zusammenhalten würde, wäre sie auch immuner gegen Manipulation und könnte sich leichter gegen Missstände wehren. Die "Starken", die aus welchen Gründen auch immer Glück hatten und ihre Fähigkeiten anwenden und ausbauen konnten und sie angemessen entlohnt bekommen, fühlen sich den "Schwachen", die diese Möglichkeiten nicht hatten, überlegen und betrachten sie von oben herab mit Schadenfreude à la "Diese Assis/Hartz4-Empfänger/Ausländer etc haben es nicht besser verdient, denn sie sind selber schuld" ohne zu merken, dass sie damit sich selbst zu äußerst manipulierbaren Staatsbürgern und Arbeitskräften katapultieren. 

Man könnte natürlich auch meinen, dass "Die Starken" es ja auch gar nicht nötig haben, zu rebellieren, weil ihr Leben ja gut verläuft und sie kein Problem damit haben. Aber erstens: drei Viertel von ihnen haben tatsächlich ein Problem, allerdings ohne es zu reflektieren: sie lassen sich ausbeuten und sind sich dabei sicher, dass sie das freiwillig tun, um sich zu "verwirklichen". Das vierte Viertel besteht aus den Ausbeutern selbst - und die haben tatsächlich in dem Sinne kein Problem, aber: sie handeln nicht human. 

Für die moralische Notwendigkeit, human zu handeln, gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis. Das muss jeder für sich entscheiden. Allerdings hat sich die Menschheit mal gerühmt, sich von der Tierwelt nicht nur durch ihren Verstand abzuheben, sondern auch durch die Fähigkeit des Miteinanders trotz fehlenden Vorteils. Dieser Schritt Richtung Menschsein will von vielen erst gemacht werden.

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thoughts

thoughts: Herz aus Stein

Als ich klein war, war ich schon ein kleiner Nerd, glaube ich. Denn eines meiner Hobbies war es, Protest-Anzeigen zu schreiben und im Hausgang auszuhängen. Dazu muss man sagen, dass ich meine Kindheit in Moskau verbracht habe und in einem Hochhaus wohnte, also bekamen die Anzeige eine Menge Menschen zu Gesicht.

Meine "revolutionäre" Gesinnung kam daher, dass meine Familie seit jeher sehr kritisch zu politischen Verhältnissen in Russland stand, und auch während der Sowjetunion unangepasst lebte und sich nicht gehirnwaschen ließ, auch wenn es zum Teil lebensgefährlich war. Diesen Spirit habe ich als Kind noch mitbekommen, trotz der Tatsache, dass die Sowjetunion aufgelöst wurde, als ich 9 Jahre alt war.

Außerdem ist meine Familie jüdischer Abstammung, und ich kann mich leider viel zu gut an rassistische Anfeindungen erinnern. Wir mussten uns oft Sprüche wie "Raus aus Russland, geht zurück nach Israel" anhören (was heißt hier "zurück"??! Ich war noch nie in Israel - leider...) oder sogar Verweigerungen der Dienstleistungen erdulden. Als ich noch ganz klein war und mir meine Mutter an einem heißen Sommertag Eis kaufen wollte, meinte der Eisverkäufer "DIR verkaufe ich rein gar nichts! Geh zurück nach Israel". Auch in der Schule meinte mal eine zu mir "Mit dir kann man nicht mit Worten reden, dich muss man mit dem Stock prügeln" :(

Leider sind Menschenrechtsverletzungen auch heutzutage noch ein sehr aktuelles Thema. Es gibt viel zu viele Missstände in der Welt, die im 21. Jahrhundert längst Geschichte sein sollten, es aber leider nicht sind und tagtäglich auf uns einprassen. Wir haben ja noch den "Luxus", dass wir zusehen müssen, wie wir psychisch mit dieser Menge an negativen Informationen fertig werden, aber die Menschen, die direkte Opfer der Missstände sind - unvorstellbar, was sie erleiden müssen.

Was sind das für Menschen, die die Menschenrechte tagtäglich mit Füßen treten??

Um wievieles härter, als Stein, müssen ihre Herzen sein! 

Um wievieles lebloser, als all die Friedhöfe dieser Welt, muss ihr Gewissen sein!

Um wievieles größer, als der größte Ozean, müssen ihre eigenen Probleme mit sich selbst sein, dass sie ihre Macht missbrauchen, um diese Probleme an den Schwächeren auszulassen!

Um wievieles leerer, als der luftleere Weltraum, muss ihr Verstand sein, den sie mit Parolen, Leitsätzen und Rechtfertigungen zu füllen versuchen!

Was können wir dagegen tun?

- im Kleinen anfangen. Zivilcourage zeigen. Auch mal seine eigene Bequemlichkeit riskieren. Alles erst hinterfragen. Wählen gehen und den Rechten keine Chance geben!

 

Dieses Zeichen - zwei Finger - symbolisiert den Zusammenhalt und die Loyalität. Dass ein Mensch für den anderen eintreten kann und soll, statt dass jeder für sich alleine kämpft.

Dass Menschenrechte mit meinem und deinem Leben ganz unmittelbar zu tun haben, wird klar, wenn man sich an Erfahrungen erinnert, die wohl jeder von uns in irgend einer Weise sammeln musste: in der Schule, im Job, sogar in der Beziehung. Wenn man in der Schule gemobbt wurde. Oder wenn man im Job vom Chef unfair behandelt wurde. Oder in einer Beziehung respektlos. Das alles sind Menschenrechtsverletzungen "im Kleinen", die im Großen dann auch mal ganzen Völkern oder Minderheiten das Leben vergiften oder schlimmstenfalls sogar nehmen.

Gilardy* hat eine Schmuck-Linie "Human Rights" kreiert, die einen Satz aus der Menschenrechts-Charta zitiert:

Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.

Dieser Auszug ist auf englisch auf den Ringen und Anhängern eingraviert und erinnert uns daran, sich jeden Tag um Toleranz und Respekt zu bemühen. GILARDY Schmuck wird ausschließlich per Handarbeit in Deutschland (München/Idar-Oberstein) und Europa gefertigt. Von jedem verkauften Ring oder Anhänger der Human Rights Collection gehen automatisch 5,- Euro als Spende an HUMAN RIGHTS WATCH: eine führende international tätige, nichtstaatliche Organisation, die durch unabhängige Untersuchungen und Öffentlichkeitsarbeit weltweit für die Wahrung der Menschenrechte eintritt.

*in freundlicher Kooperation mit Gilardy

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Interview Lifestyle Rezepte - Lecker!!

interview | EpiFood & detox rezepte

Essen ist eines der grundsätzlichsten Themen der menschlichen Existenz. Ungeachtet dessen wird es oft eher stiefmütterlich behandelt oder aber man beschäftigt sich damit und ist nicht minder ratlos ob des riesigen Angebots.

Also dachte ich mir, ich warte nicht erst auf das Neujahr, um meinen Vorsatz, regelmäßig Interviews zu posten, umzusetzen,  und hatte die Fragerunde Nr. 2 in die Wege geleitet, damit es heute, pünktlich am 1. Januar, für euch frische Inspiration und womöglich Unterstützung bei der Verwirklichung eurer Vorsätze gibt. Heute geht es nämlich um EpiFood und die Mädels, die das Ganze ins Leben gerufen haben –  Alex und Feli.

Interview Nr. 1 ist im Fashion-Bereich anzusiedeln – ich unterhielt mich mit Charlotte Hartig, die das Label Nothing gründete.

Das Thema des Posts passt also wie die Faust aufs Auge zum Jahreswechsel, denn gerade nach Weihnachten ist gesunde Ernährung besonders populär, hihi! Hier kommt also die ultimative Information, die euch den Einstieg in das Thema erleichtert!

Und noch was: ganz unten im Post findet ihr alle Rezepte zu den Gerichten auf den Fotos :D Los gehts! alex-und-feli-epifood-muenchen-nachgesternistvormorgen-lifestyle-food-ernaehrung

Was bedeutet EpiFood?

   Alex: „Epi“ kommt von „Epigenetik“, „Food“ ist klar. Der Zusatz „Food“ musste sein, weil Epigenetik sich eben nicht nur mit Ernährung, sondern auch mit der gesamten Lebensweise befasst.

Feli:  Epigenetik beruht darauf, dass man seine Gene beeinflussen, bzw. aktivieren  kann. Früher meinten die Wissenschafter, dass die Gene eben nicht beeinflussbar sind, Prof. Dr. Strunz zum Beispiel hat in seinen Büchern „Forever joung“ oder „Vitamin C“ geschrieben, dass man durch eine gute Lebensweise zum Beispiel seine Gesundheit bewahren oder Leben verlängern kann. In unserem Fall würde das heißen – man kann sich sein Leben länger essen :)

Cool wäre, wenn man sich eine andere Haarfarbe anessen könnte, dann könnte ich mir den Friseur sparen, hihi.

Feli:  ja, ich glaube, das ist schon too much! Obwohl, wer weiß, vielleicht sind wir ja irgendwann mal so weit, dann gibt es so Super-Über-Foods für eine andere Haarfarbe :)

Hm, irgendwie fällt es mir schwer, zu glauben, dass man Gene verändern kann…

Alex:  man kann sie auch nicht verändern. Du hast ja einen Gen-Strang, und du kannst gewisse stellen an- und ausschalten, um das methaphorisch darzustellen. Beispielsweise kann jeder von an Krebs erkranken, wenn die Gene, die für die Verhinderung der Krebsentstehung durch gewisse Außeneinflüsse degenerieren.  Solche Einflüsse können z. B. Strahlen sein, oder zu viele Konservierungstoffe oder allgemein Essen mit Zusätzen, weil es den Körper dann nicht dabei unterstützt, sich zu regenerieren. Natron dagegen hilft dem Körper, basischer zu werden.

Könnt ihr noch konkreter erklären, was man genau mit der Ernährung beeinflussen kann?

Feli:  Man braucht ja gewisse Nährstoffe, um zu leben, das ist ja nichts Neues. Es geht darum, dass man den Nährstoffhaushalt komplettiert, sozusagen. Zum Beispiel kannst du Pilze essen, um Vitamin D zu bekommen (dieses Vitamin tanken wir auch durch das Sonnenlicht).  Natürlich kann man aber auch konkrete Ziele verfolgen, wie abnehmen, Libido stärken, Anti-Aging oder auch einfach sich besser fühlen!

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Warum ist EpiFood besser, als andere Ernährungs-Ideologien?

Feli:  Naja, zu sagen, es wäre besser, wäre reines Marketing. Aber das schöne an EpiFood ist – ob Veganer oder Fleischesser – jeder kann sofort mitmachen. Es sind drei Sachen, die man bei EpiFood durch Alternativen ersetzen muss – Weizen-, Kuhmilchprodukte und industriellen raffinierten Zucker & Süßstoff. Lustigerweise erleben wir aber immer wieder, dass die Menschen sagen – ach super, das esse ich eh nicht. EpiFood wird aber nicht vom „Nein“ dominiert, denn diese drei Sachen zu ersetzen, ist nicht so schwer, wie man meint. Das Einzige, wo den meisten Leuten Milch und Zucker fehlt, ist lustigerweise in Verbindung mit Kaffee. Aber auch da gibt es gute Alternativen.

Was noch spürbar ist – man hat mehr Energie, dementsprechend hat man auch mehr Lust, aktiv zu sein. Ich will damit nicht sagen, dass man sich nicht mal auf die Couch legen darf. Wenn die Seele das verlangt – tu es! Aber es ist einfach gut, dass Energie vorhanden ist, wenn man sie mal braucht! EpiFood ist nicht nur eine Ernährung, es ist auch ein Lifestyle! Wenn du hochwertiges Essen mit gutem Schlaf, Bewegung etc kombinierst, hast du natürlich mehr davon, als wenn du nebenbei noch rauchst, klar.

Wieso sind ausgerechnet Weizen, Kuhmilch und industrieller Zucker nicht gut?

Alex:  An sich sind diese drei Dinge ja nicht schlecht. Das Problem an Weizen ist, dass es überzüchtet ist. Auch Kuhmilchprodukte leiden an der Massenherstellung, Fleisch besteht sowieso oft nur noch aus Antibiotika und ist oft auch einfach viel zu alt. Wenn man alles direkt vom Bauern kaufen könnte, wäre es kein Problem, allerdings ist es für die Menschen, die in Supermärkte gehen, einfacher, gleich zu Alternativen zu greifen. Z. B. Dinkelmehl statt Weizen – der Vorteil an Dinkelmehl ist, dass es momentan noch nicht so überzüchtet ist, es ist noch nicht in der Massenindustrie drin. Backen kann man wunderbar mit Mandelmilch statt Kuhmilch. Auch Eier kauft man sich besser vom Bauern. Man merkt deutlich einen Unterschied am Geschmack und auch Farbe des Dotters, es sollte dunkelgelb, fast orange sein. Wenn man Eier als Bindemittel ersetzen möchte, eignen sich Chia-Samen super dazu.

Feli:  unsere Ernährungsweise basiert nicht auf ethischen Gründen. Es ist eher die Qualität, nach der wir gehen. Man gewöhnt sich sehr schnell an richtig gutes, frisches Essen! Es ist besser, qualitativ hochwertiges Fleisch zu essen – man reduziert den Fleischkonsum dann automatisch, weil es erstens gar nicht einfach ist, an gutes Fleisch zu kommen, und zweitens ist es natürlich auch teuerer.

Was ist mit euch selbst? Zieht ihr das durch?

Alex: ja klar! Es ist ja kein Verzicht – denn für jedes Ding, was du weglässt, findest du eine Alternative.

Feli: ehrlich gesagt, kann ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen.

Wie habt ihr beide euch eigentlich kennengelernt?

Alex: in der Schule, im Klassensprecher-Seminar! Seitdem ist die beste Freundschaft daraus gewachsen.

Wann habt ihr EpiFood gegründet?

Alex: vor zwei Jahren bekamen wir einen Auftrag für unser Kochbuch, das 2016 rauskommt, und sind so tief in die Materie eingestiegen, dass wir vier Monate später EpiFood gegründet haben. Die Homepage gibt es jetzt seit genau einem Jahr. Epigenetik ist ja auch noch eine neue Wissenschaft.

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Ihr bietet auch Kochkurse an. Was war eurer lustigstes Erlebnis damit?

Alex: ohh, da fallen mir gleich die Burger ein. Ich habe nämlich das Gefühl, Hefeteig hasst mich. Wir hatten einen Burger-Kochkurs, und die Brötchen sind nicht aufgegangen. Dementsprechend mussten wir improvisieren und haben Low-Carb-Burger gemacht, die wir dann in Salatblätter gewickelt haben (lacht). Ist aber echt gut angekommen, weil ds mal was anderes ist und liegt am Abend auch nicht so schwer im Magen!

Nach welchen Kriterien sucht ihr Menues aus, wenn ihr Caterings organisiert?

Feli: wir überlegen, wie die Zielgruppe ist, ob das eher Mädels sind, zum Beispiel, sie sind meistens affiner, was gesunde Ernährung angeht und auch offen für Neues. Wenn das ein Mode-Event ist, sollte das Essen natürlich auch optisch besonders viel hermachen.

Alex: dann suchen wir uns ein Thema, z. B. „Low Carb“ oder „Neue Klassiker“ – das sind Neuinterpretationen des altbekannten und beliebten Essen wie Kohlrouladen, beispielweise.

Was mich noch sehr interessieren würde: was meint ihr zu unserer Nahrungsindustrie? Wie könnte man die Menschen ermutigen, sich besser zu ernähren?

Alex:  ich glaube, wir sind da schon auf einem ganz guten Weg mittlerweile. Es gibt eine ganz ganz große Vielfalt an Obst und Gemüse, und auch in ganz normalen Supermärkten steigt die Auswahl an solchen Sachen wie Amarant, Quinoa etc. Die Foodbranche an sich wird immer offener. Gleichzeitig gibt es leider Unmengen an Fertigprodukten.

Feli:  Die Möglichkeit, sich gesünder zu ernähren, ist da. Das Problem ist eher das Marketing – Coca Cola zum Beispiel. Die sind eh die Schlimmsten, die Kinder kommen da kaum weg davon. Aber auch Coca Cola kommt jetzt langsam in die Bedrängnis, denn das Bewusstsein für gesunde Ernährung wächst. Auch McDonalds schließt dieses Jahr zum ersten Mal mehr Filialen, als es öffnet! Hast du es mitbekommen? Jamie Oliver hat gerade ein Prozess gegen McDonalds gewonnen… Das Fleisch in dem B. Burger bestand nur aus Fett und Ammoniak…

Alex:  die wollen jetzt in den Schulen Ernährungsunterricht einführen. Kinder an sich sind ja offen für Neues! Das Problem dabei sind oft eher die Eltern, denn die erfüllen ja die Vorbildfunktion. Wenn die Kinder nur Müll essen, Fertiggerichte, Glutamat und Konservierungsstoffe, dann gewöhnen sie sich ja dran, und das Abgewöhnen ist ja das Schwierigste. Wenn man aber von Kind auf Gutes gewohnt ist und weiß, was das Essen mit einem macht, ist es viel einfacher. Dabei hat jeder Internet, und jeder könnte sich kostenfrei mit Ernährung beschäftigen. Je mehr man darüber weiß, desto weniger anfällig wird man für das Marketing der Fast-Food-Marken.

Feli:   auch Jamie Oliver macht Unterricht für Kinder, „Eat better“! Vielleicht machen wir das mal auch.

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Welche Pläne habt ihr noch?

Feli:  erstmal EpiFood als Konzept bekannter machen, unsere Kochkurse ausweiten. Dann möchten wir auch Produkte rausbringen – was das wird, verraten wir aber noch nicht. Was wir für den Anfang des Jahres planen, ist ein Brunchclub in München – bei Interesse muss man einfach unseren Newsletter abonnieren, dann weiss man Bescheid wegen dem Datum. Es heißt ja immer, München sei eine Singlesstadt, dann heißt es eben: „Was machst du am Sonntag?“ – „Ich gehe bei EpiFood brunchen, mitten in Schwabing“ :) Wir wollen das nach Londoner Manier machen, coole Leute, coole Musik, coole Gesprächsthemen und geiles Essen.

Passend zum Neujahr: was ratet ihr Leuten, deren Vorsätze immer mal wieder an Disziplinmangel scheitern?

Alex:  der Disziplinmangel liegt meistens daran, dass man anfängt, auf etwas zu verzichten. Zum Beispiel kennen viele diesen Mechanismus, dass genau in dem Moment, indem man sagt „Ab morgen faste ich“, eine ganz Kuh essen könnte. Deswegen würde ich nicht denken „Ich faste oder ich verzichte auf etwas“, sondern ich würde einfach anfangen, die Produkte im Haushalt nach und nach auszutauschen, durch Produkte, die für deinen Körper sinnvoller sind. Wenn du es nach und nach ab#änderst, bist du irgendwann im Flow drin und merkst dann auch, dass es dir gesundheitlich besser geht. Ersetze Kuhmilchprodukte, verbanne den Industriezucker, nimm Dinkel- statt Weizenmehl und nach 2 Monaten wirst du nichts anderes mehr wollen und kannst dir nicht vorstellen, wie du jemanls anders essen konntest.

Feli:  du schmeckst ja dann auch viel mehr, weil die Geschmacksverstärker unsere Nerven überreizen, sodass du kaum noch Geschmackssinn hast! Iss mal Brokkoli pur – das ist für dich ein Hauch von Nichts! Aber irgendwann kehren die Geschmacksnerven wieder zurück und dann macht es auch viel mehr Spaß, frische Produkte zu essen. Somit hast du auch mehr Nährstoffe und einfach insgesamt mehr vom Essen und brauchst deswegen nicht mehr so viel – das hängt alles zusammen!

Der Sinn von EpiFood ist aber nicht, auf Teufel komm raus das Ding durchzuziehen. Wenn du in Italien bist und ein Tiramisu essen möchtest – tu es! Es geht um die Lebensqualität, die dir das Essen gibt. Wir wollen keine Ideologie erschaffen, sondern Menschen unterstützen, die Lust auf geiles Essen haben.

Na, wenn das kein tolles Schlusswort ist! Danke euch für das Interview!

___________

Hier noch die Rezepte der abgebildeten Speisen für euch:

Epi-Food Detox Rezepte

Kurkuma Latte (für 2 Personen)

  Zutaten: 2 Tassen Mandelmilch ½ TL Kurkuma 1 Mango (das Fleisch davon) 1 Msp. Bourbon Vanille 1 große Bio-Orange (Zeste und Saft davon) ½ Zitrone (Saft davon) 5 Physalis Add-On: Ingwer nach Belieben Zubereitung:   Alle Zutaten in den Mixer geben, mixen & fertig. Die Kurkuma Latte ist ein absoluter Allrounder. Sie stärkt unser Immunsystem, hilft unseren Verdauungsorganen, schmeckt gut und ist super schnell zubereitet. Das enthaltene Kurkuma besitzt eine stark antioxidative Wirkung und hilft somit bei Entzündungen vor allem im Bereich Magen, Darm und Leber. Die Physalis punktet mit ihrem hohen Gehalt an Eisen, Phosphor und dem zellschützenden Stoff Provitamin A. Nebenbei enthält sie noch so viel Vitamin C, dass 100 Gramm schon ein Drittel unseres Tagesbedarfs decken.

Overnight Oats – Carrot Cake (für 1 Person)

Zutaten: 3 Karotten ½ Tasse Mandelmilch 1 kleiner Becher Schafsjoghurt ½ Tasse Haferflocken ½ Tasse gepopptes Amaranth ODER gepopptes Quinoa 2 Msp. Zimt 1 Msp. Bourbon Vanille 2 Msp. Piment Add-On: 2 EL gemahlene Erdmandeln nach Belieben 2 EL gehackte Haselnüsse Zubereitung: am besten verwendet ihr ein großes Weckglas, denn hier habt ihr genug Platz und könnt die Schichten gut sehen. Haferflocken, gepopptes Amaranth/Quinoa in das Glas geben Alternativ die Erdmandeln und die gehackten Haselnüsse in das Glas geben Schafsjoghurt und Mandelmilch auf die Oats geben Karotten schälen und mit dem Sparschäler dünne Streifen schälen, diese ins Glas geben Gewürze wie Piment, Vanille und Zimt nun auf die Karotten geben Das Weckglas abdecken (entweder mit dem Deckel oder mit Frischhaltefolie ) Über Nacht in den Kühlschrank stellen und am Morgen darauf genießen Die Haferflocken in den Overnight Oats sind schon seit langer Zeit beliebt. Der hohe Gehalt an Biotin im Hafer ist bekannt für die positive Wirkung auf Haare, Haut und Nerven. Die Kohlenhydrate-ärmere Variante an Getreide oder besser gesagt Pseudogetreide wäre hier Amaranth, der beste pflanzliche Eiweißlieferant. Kombiniert mit dem Carrot Cake ähnlichen Geschmack gibt uns die Karotte nötiges Vitamin A – gut für unsere Augen und Sehkraft ;)

Green-Chia-Bowl (für 1 Person)

Zutaten: 1 ½ EL Chiasamen 1 EL Kokosraspel 125 ml Kokos-Reis-Milch (oder andere Pflanzenmilch) ¼ Bio-Zitrone, Saft und abgeriebene Schale 1 Banane 1 TL Weizengras ½ TL Matcha-Pulver 1 TL Hanfsamen (optional) ¼ Granatapfel (optional) Zubereitung: Chiasamen, Kokosraspel, Kokos-Reis-Milch, Zitronenschale, Weizengras und Matcha-Pulver gut vermischen und für mindestens 4 Stunden quellen lassen Banane mit Zitronensaft zu einem Brei zerdrücken und in den Chia-Pudding einrühren In einer Schüssel anrichten und mit Hanfsamen und Granatapfelkernen garnieren Die Green-Chia-Bowl ist das perfekte Frühstück für Morgenmuffel. Sie lässt sich am Vorabend Vorbereitung und spendet Dank der Chia-Samen und der Banae ausreichend Energie für einen guten Start in den Morgen. Das Matcha-Pulver (Grüner Tee) macht dank seines Teein-Gehalt langanhaltend wach. Das Weizengras-Pulver wirkt durch seinen Chlorophyll-Gehalt positiv auf den Sauerstofftransport im Körper. Beide Pulver sollten von guter Qualität sein, da sie zusätzlich einen entgiftenden Effekt haben.

Quinoa-Winter-Bowl (für 1 Person)

Zutaten: 60 g Quinoa 200 g Champignons 1 Hand voll Basilikum-Blätter 1 EL Leinsamen 1 Knoblauchzehe 1 TL Olivenöl Salz und Pfeffer nach Bedarf Zubereitung: Quinoa nach Packungsanweisung zubereiten Champignons putzen und Knoblauchzehe fein hacken In einer Pfanne das Öl erhitzen und den Knoblauch kurz anbraten Pile hinzugeben und ca. 3 Minuten anbraten Sollte die Pfanne zu trocken werden, einfach etwas Wasser (ca. 4-5 EL) hinzugeben Quinoa und Leinsamen hinzugeben Weitere 2 Minuten braten Basilikum-Blätter grob hacken und unterheben Mit Salz und Pfeffer abschmecken Auf einen Teller anrichten und nach Belieben mit Basilikum-Blättern garnieren Die Quinoa-Winter-Bowl ist eine Detox-Alternative zum Rührei am Morgen. Quinoa liefert pflanzliches Eiweiß, genügend Energie und Ballaststoffe. Die Champignons sind eine der wenigen pflanzlichen Vitamin-D-Lieferanten und sind vor allem in den sonnenscheinarmen Monaten wichtig für ein starkes Immunsystem und unseren guten Laune. Basilikum hingegen füllt unseren Vitamin-A und Calcium Bedarf, kann also ruhig lieber mehr als weniger hinzugegeben werden.

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Allgemein Lesen Sprüche, Zitate thoughts

Esra liest: noch ein Sex-Ratgeber??

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Heute geht es um Sex!

Kaum zu glauben, aber auch mein Leben besteht nicht ausschliesslich aus Shootings, Shopping und Essen. Es gibt auch einige andere Themen, die hier auf dem Blog normalerweise ausgeklammert werden.
Der Auslöser dafür, dass ich die „schönste Nebensache der Welt“ heute doch mal thematisiere, war eine Anfrage einer Buchrezension. Niemand geringerer, als die Nina Wagner von „Im Gegenteil“, versuchte sich als Autorin.
Das erste, was mir dabei durch den Kopf ging, war das Wort „oje“. Gleich im Anschluss folgte „Ach ja, schlimmer als `How to be Parisienne` wird es schon nicht sein!“ War es dann auch nicht :D

Hand aufs Herz – wer ist unzufrieden mit seinem Sexleben?

Warum gibt es so viele Tabus, wo wir uns doch für so aufgeschlossen halten? Wieso kann man gerade mit dem Menschen, der einem am nächsten steht, so oft nicht direkt über seine Bedürfnisse und Wünsche reden?
Gewiss hat es noch immer mit den festgefahrenen Geschlechterrollen zu tun, aber auch mit der eigenen Unsicherheit. Die wiederum resultiert oft aus dem fehlenden Selbstbewusstsein, der echten, wahren Selbstliebe. Wieso kasteien wir uns selbst so oft und halten uns für nicht ausreichend?

Die wichtigste Message des Buches:

Wir müssen dringend lernen, uns so zu mögen, wie wir sind! Das ist der Schlüssel zum erfüllten Sexualleben! (Ich ergänze: aber auch der Schlüssel zum erfüllten Leben überhaupt). Weniger denken, was andere von uns halten – mehr unsere Wünsche und Gefühle kommunizieren – und im gleichen Atemzug aushören, über Andere zu urteilen! Toleranz  anderen und sich selbst gegenüber sollten die Grundpfeiler unseres Lebens sein.

 

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Aber von vorne.

AUFBAU

Das Buch wechselt zwischen theoterischen Abschnitten und Erfahrungsberichten.

Die theoretischen Teile sind eine Art Zusammenfassung von dem jeweiligen Thema, z. B. gesellschaftliche Normen / Verhältniss zum eigenen Körper / Sex Toys / Dates (in real life und auch online) / Verhütung / Sex Talk / Periode / Stellungen / Tabus und Grenzen.

Die Stories dazwischen sind wie Erfahrungsberichte einer (ehrlichen und aufgeschlossenen) Freundin, die endlich mal alles ausspricht, was man selber schon oft gedacht hatte, aber meinte, dass es nur einem selber so geht. Zum Beispiel, so eine banale Sache, wie dass beim Küssen manchmal die Köpfe aneinanderschlagen bzw die Nasen im Weg sind :D Das sind ja so kleine Verlegenheitsmomente, die wohl jeder von uns in irgendeiner Form schon mal hatte. Allerdings gibt es ganz verschiedene Berichte, sowohl von der ersten richtig langen Beziehung als auch von einer misslungenen BDSM-Erfahrung.

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Lieblings-Zitate:
  • „Ich bin Single und suche nach keiner festen Beziehung. Nein, ich verdränge keine Sehnsucht, die mich insgeheim auffrisst und ja, genau diese Unterstellung nervt gewaltig“ (S. 69)
  • „Alle sind auf der Suche. Nach Selbstverwirklichung, nach Großstadtluft und Anonymität, nach Jobs, nach Liebe, nach Grenzerfahrungen. Deswegen zieht man aus seiner miefigen Kleinstadt oder Dorf nach Berlin. Weil man hier das Gefühl hat, machen zu können, was man will. Kann man auch. Und die meisten sind dabei einsam. Weil man die Lücken zwischen dem schlecht bezahlten Studentenjob, der Uni und den Partys nicht füllen kann. Weil sich die meisten Menschen selbst nicht ertragen. Und deswegen eben auch versuchen, ihr Leben durch Lifestyle zu definieren“ (S. 102)
  • „Es gibt so viele Männer, die bei Tinder angemeldet sind und rumvögeln wollen, aber trotzdem mit der Vorstellung nicht klarkommen, dass die Frauen, die bei Tinder sind, haargenau das Gleiche wollen. … Jedenfalls gibt es immer noch genug Typen, die trotz Fick-App lieber die unerfahrene Lolita kennenlernen wollen statt der erfahrenen Frau, die viel Sex hat“  (S. 112)   (- krass! Diese Doppelmoral könnte mich so aufregen!)
  • „… meine männlichen Mitschüler sorgten damals mit ihren endlos dummen Kommentaren dafür, dass jede von uns ihre  Periode als etwas Negatives wahrnehmen musste. Man hat echt keinen Bock, dem Sportlehrer zu sagen, dass man Unterleibsschmerzen hat, (…) wenn man sich dann Sprüche anhören muss wie „Die ist zickig, hat wohl ihre Tage“ oder „Warum bluten Frauen einmal im Monat? Weil sie es nicht anders verdient haben!“ (…) Wie soll man denn als heranwachsende Frau lernen, mit seinem sich verändernden Körper umzugehen, wenn das schon von vornherein so erschwert wird, weil Männer anscheinend erst recht nicht damit umgehen können und dann auf sexistische Abwertungen zurückgreifen müssen?“ (S. 130)
  • „Ich frage mich ja oft, in welchem Jahrhundert wir eigentlich leben, dass es immer noch so wichtig ist, wen wir wie vögeln. Ob ich mit Männern oder Frauen oder mit lila Monstern schlafe, wenn sie sich als diese definieren, ist doch allein mir überlassen und hat allen anderen egal zu sein“ (S. 176)

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FAZIT:

Keine literarische Meisterleistung – aber ein guter, sehr ehrlicher Ratgeber, weil es eben keiner ist. Ich finde dieses Buch feministisch im guten Sinne. Denn es regt uns, Frauen des 21. Jahrhunderts, an, endlich die Selbstzweifel und das begrenzte Denken sein zu lassen und anzufangen, zu uns zu stehen. Genau so, wie wir sind. Wir sollen uns von der Gesellschaft nicht mehr vorschreiben lassen, wie genau wir zu funktionieren haben (auch im Bett!) und wie wir auszusehen und uns zu verhalten haben.

Wir sollen das machen, was wir gerne machen würden. Wir sollen den Mund aufmachen und nicht nur immer von Männern erwarten, dass sie unsere Gedanken lesen. Wie sollen sie uns ernst nehmen und als Gleichberechtigte behandeln, wenn wir es nicht mal SELBST schaffen?

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Das Buch ist  HIER erhältlich!

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Allgemein thoughts

thoughts: Authentizität? Will keiner haben!

Überall diese Heuchelei à la „Persönlichkeit ist gefragt“. „Persönlichkeit ist das Wichtigste beim Bloggen“. „Sei einfach du selbst“.

Und keiner gibt zu, dass „Persönlichkeit“ nur dann erfolgreich ist, wenn sie in irgendwelche Schubladen passt (eigentlich paradox!!). Aber eine echte, unverfälschte, persönliche Persönlichkeit, die schwer einzuordnen ist – ist erstens eben aus kommerzieller Sicht schwierig, und zweitens auch für die breite Masse eher nicht wünschenswert – denn die breite Masse sucht nach jemandem, der entweder was Unerreichbares, was zum Anschmachten repräsentiert (beispielsweise teures Designerzeug), oder aber das Gegenteil – nach jemandem, mit dem sie sich identifizieren kann (also – der ihr ähnlich ist).

Die Vickie hat den Nagel auf den Kopf getroffen: „Wir sind zu ausgefallen für den Mainstream, aber zu Mainstream für Ausgefallene“. Ich füge hinzu: zu arm für die Reichen und zu reich für die Armen. Genau diese Mitte macht es so schwer, sich in der Bloggerszene zu behaupten. Warum muss ich zu einer Gruppe gehören, um anerkannt zu werden? Warum kann ich nicht einfach ich sein und das aus all meinen Kräften ausleben? Was ist denn meine Zielgruppe eigentlich? Und seit wann mache ich mir überhaupt darüber Gedanken?

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Wenn es nach mir gehen würde –  meine „Zielgruppe“ bestünde aus denjenigen, die meine Art zu denken und meine Art mich zu kleiden mögen und sich davon inspirieren lassen. Punkt.

Aber die Firmen suchen ja nach Bloggern mit einer möglichst grooooßen Zielgruppe. Ist ja auch verstädlich, aus kommerzieller Sicht zumindest. Aber auch kommerziell zahlt sich Echtheit mehr aus, nur nicht so schnell. Dafür aber nachhaltig. Leider funktioniert unsere Gesellschaft nicht nachhaltig. Lieber große Gewinne sofort, und danach die Sintflut, als treue Anhängerschaft, die sich langsam aufbaut.

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Wie viele von potenziellen Lesern können und wollen sich mit mir identifizieren? Wohl nur wenige – die für mich aber umso wertvoller sind. Und noch eine eher rhethorische Frage:  wieviele wollen meinen Lifestyle, der nicht aus Chanel, Valentino und einem lichtdurchfluteten Loft, sondern aus Zara, H&M und einer 40qm Wohnung in einem Armenviertel besteht, auch wenn mit einer großen Prise Persönlichkeit?

Also – dann seien wir doch endlich ehrlich und geben zu, dass „Personality“ und „Individuality“ nur  Modewörter sind, Wörter, das kaschieren sollen, dass für den Erfolg andere Dinge notwendig sind, die aber nicht so cool klingen. Welche das sind – darf jeder von euch selbst überlegen.

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English summary:

There is throughout this hypocrisy like „personality is in demand“. „Personality is the most important for blogging“. „Just be yourself“. And no one admits that „personality“ is only successful if it fits into any drawer (actually a paradox !!). But a real, genuine, personal personality, which is difficult to classify – is firstly just tricky from a commercial perspective, and secondly tend not desirable also for the masses – for the masses looking for someone who represent either something unattainable, something to dream of (for example, expensive designer stuff), or the opposite of this – for someone with whom they can identify themselves, someone who is similar to them.

So let us at last be honest and admit that „personality“ and „individuality“ are just buzzwords, words to conceal that other things are necessary for success, but other thing, which do not sound that cool. Which they are – each of you can think about it himself.

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