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Thoughts | worauf konzentrieren wir uns eigentlich?

 

 


 

Konzentration

(lateinisch concentra, „zusammen zum Mittelpunkt“)
ist die willentliche Fokussierung der Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Tätigkeit.  (...)

 


 

Konzentrieren – ja, aber worauf?

Ich mag es, mich mit der Herkunft und Entstehung eines Wortes oder Begriffes zu beschäftigen. Plötzlich erscheint ein abgenutztes, gewöhnliches Wort in einem neuen Licht und verwundert mich mit seiner Ur-Bedeutung. Dann erkenne ich plötzlich den ursprünglichen Sinn, den das Wort hatte, bevor es im Laufe der Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte abgeschliffen, verändert und mit neuen zeitgeistigen Bedeutungen gefüllt und überschrieben wurde.

Auch beim Begriff „Konzentration“ finde ich es spannend, dass es eigentlich um einen gemeinsamen Akt geht, der zu irgend einem Zentrum strebt („zusammen zum Mittelpunkt“). Und genau um dieses Gemeinsame habe ich mir Gedanken gemacht.

Es ist ja bekannt, dass es förderlich ist, sich auf ein Ziel zu konzentrieren, um es zu erreichen oder auf eine Aufgabe, um sie optimal zu erledigen. Aber diese Erkenntnis wurde in unserer Zeit zu sehr in den Fokus gestellt und als das Non Plus Ultra, fast schon als der Sinn des Lebens angepriesen! Erreiche deine Ziele, strebe nach dem Erfolg (übrigens ist auch dieses Wort ethymologisch interessant – Er-Folg ist ursprünglich eigentlich neutral gewesen, es war etwas, was als eine logische Folge des Handelns erfolgt ist).

Die Folge davon, wenn jeder von uns auf seine eigenen Ziele konzentriert, ist eigentlich trivial

– wird aber, meiner Meinung, zu wenig ausgesprochen. Nämlich: wenn jeder sich auf seine eigenen Ziele und auf seinen eigenen Erfolg konzentriert, verliert er zwangsläufig die anderen Menschen aus den Augen. Wir sind eine Meute Menschen, in der jeder einzelne, für sich genommen und getrennt von den Anderen, auf etwas eigenes blickt: auf sein Vorwärtskommen oder auch auf seine Meinung, die sehr wichtig für ihn ist, weil er sie für seine Identität hält. Dabei wird er blind auf dem Auge der Liebe, denn er sieht seinen Mitmenschen nicht mehr. Er sieht nur, dass er „recht“ hat und findet einen Haufen „schuldige“ andere, die die Welt stetig daran hindern, eine bessere Welt zu werden. Seltsamerweise propagiert er gleichzeitig die Werte der Menschlichkeit und des Miteinanders, der Solidarität und der Rücksichtnahme,  aber richtet dabei die Augen auf sein Gegenüber höchstens zum Tadeln. Da ist es nur logisch, dass dieser Widerspruch nur wenigen auffällt – denn einerseits konzentrieren sie sich ja nicht darauf – und dazu reicht es oftmals, über ein gutes Ziel oder gute Werte bloß zu sprechen. Diese verbale Auseinandersetzung mit dem Thema findet ohne darauffolgendes Tun statt, man redet über Werte und merkt nicht, dass man sich nicht dem Inhalt widmet, der fernab vom leeren Klang der Worte im Handeln erfüllt werden will.

Aber wie überwindet man die Konzentration auf sich selbst und lernt, im Sinne der Menschlichkeit und der berüchtigten Nächstenliebe zu handeln? Wie schafft man es, Wasser zu predigen und dann auch Wasser zu trinken?

Um diese Frage zu beantworten, muss ich nochmal etwas ausholen.

Love is all you need

Der Begriff „Nächstenliebe“ ist so behaftet durch das Christentum, oder besser gesagt, durch das Unvermögen des Christentums, dass es für mich emotional immer komplett unmöglich war, mich dem anzunähern. Wann immer auch das Wort  „Nächstenliebe“ erklang, erschien in meiner Phantasie direkt ein Ritter auf dem Kreuzzug, der im Namen der Nächstenliebe nicht davor scheute, seinen Nächsten zu erschlagen, oder ein alter und eingestaubter Eremit, der äußerlich etwas dem Papst ähnelte und demonstrativ demütig, aber gleichzeitig mit erhobenem Zeigefinger die andere Wange hinhielt, während die eine noch glühte.

In meiner Abneigung vor dieser Art Nächstenliebe war ich mein Leben lang also eher mit „egoistischen“ Dingen beschäftigt, wie: mich nicht ausnutzen zu lassen, „nein“ sagen zu lernen, zu mir zu stehen, Grenzen zu setzen und dergleichen. Derjenige, der sich selbst richtig lieben kann, kann dann auch andere lieben, dachte ich.

Und ja, das stimmt auch, aber nur dann, wenn man sich eben nicht NUR auf sich selbst konzentriert und sich auch nicht auf seiner vermeintlichen moralischen Überlegenheit ausruht. Dann hat man nämlich das Gefühl, unglaublich humanistisch und liebevoll zu sein und das Thema so richtig verstanden zu haben, obwohl man in der Supermarkt-Schlange vor Wut fast in Stücke zerspringt, wenn einem ein Mitmensch so ganz ohne Mindestabstand in den Nacken atmet. Oder wenn man schon wieder eine Meinung über Corona liest, die ja so unglaublich falsch ist, dass man beim besten Willen nicht nachvollziehen kann, wie blöde und verantwortungslos man sein muss, um sie zu vertreten!

Oh, wie abgetrennt von den Mitmenschen, wie verständnis-los und verständnis-unwillig ist man in dem Moment, in dem man sich über eine andere Meinung echauffiert! Oder zeigt mir mal einen, der sich für Diversität und Toleranz einsetzt, wenn er in einer vollen Bahn von jemand angerempelt wird, der sich nicht mal entschuldigt! Wie hasserfüllt und voller Aggression fühlt sich der ach so tolerante Gutmensch in diesem Moment?

… aber die Liebe ist die größte unter ihnen

Ich hörte schon oft von dieser komischen, schwer nachvollziehbaren „Liebe zu den Mitmenschen“. Man hat sie auch als „göttlich“ bezeichnet, man hat sie für das mit Abstand Allerwichtigste überhaupt gehalten („Glaube, Liebe, Hoffnung – diese drei. Aber die Liebe ist die höchste unter ihnen“ aus der Bibel oder „All you need is love“ und viel mehr!) – aber erst jetzt wird mir langsam klar – und vor allem, kann ich es FÜHLEN! – was damit gemeint sein könnte.                

Ich habe jemanden getroffen, der so eine Geduld und so eine Freundlichkeit ausstrahlt, die nur von tief innen kommen kann, weil sie sich so frei von jeglicher Aggression und Überheblichkeit anfühlt! Diese Geduld und Freundlichkeit haben mich so berührt, dass ich merkte – Worte sind nicht alles. Meinungen sind nicht alles. Denken ist nicht alles. Was wir brauchen – ist Liebe.

Ohne Liebe wird  aus Fürsorge – Bevormundung, aus Vorsicht – ein Saktionenstaat, aus Moral – ein Diktat, aus Korrektheit – Zensur, aus Solidarität – Spaltung.  Ohne  Liebe verdrehen sich alle Begriffe und Werte und dienen nicht dem Menschen, obwohl sie genau das propagieren.   

Ohne Liebe lassen wir uns von diesen Verdrehungen blenden, weil das einfach ist. Aber auch Einfachheit ohne Liebe hat die Menschheit schon so oft verführt, in die Irre geführt. Ohne Liebe haben wir keinen moralischen Kompass, sondern höchstens ein Gefühl der moralischen Überlegenheit, die oft auf Luftschlössern basiert und uns zu Marionetten anderer macht, die wissen, wie sie es sich zunutze machen können.  Wir erkennen den Wolf im Schafspelz nur, wenn wir die Liebe haben. Lassen wir uns also nicht spalten und nicht manipulieren. Lasst uns einander lieben, trotz anderer Meinung, trotz Anrempeln, trotz fehlendem Mindesabstand, trotz Gestank, trotz „asozialen“ Verhaltens, trotz Ruhestörung, trotz Blödheit, trotz Überheblichkeit, trotz allem, was uns so nervt, dass wir die Liebe vergessen. Wir müssen als Menschen eher zusammenrücken, zusammenhalten, wir müssen uns aufeinander und auf die Menschlichkeit konzentrieren und einander bejahen, ganz im Sinne der Würde, die jeder von uns für sich beansprucht. Jetzt kommt es auf uns an. Sonst hat unsere Welt nicht mehr lange Bestand.                                                                                                                    

Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis als Licht bezeichnen und Licht als Finsternis, die Saures für süß erklären und Süßes für sauer. 
 
Jesaja 5.20 

Konzentration braucht Energie

Worauf auch immer wir uns konzentrieren – brauchen wir dafür Zucker, denn ohne Zucker funktioniert unser Gehirn nicht gut genug. Dabei kann Traubenzucker von Dextro Energy * (auch als Dextrose oder Glukose bekannt) helfen – als metabolisch aktivstes Organ im ganzen Körper hat das Gehirn enormen Hunger und nutzt für seine Funktionen fast ausschließlich Glukose. Der Speicher dafür ist allerdings sehr begrenzt und leert sich vor allem bei erhöhter Aktivität schnell und kann wieder nachgefüllt werden!

(Zitiert aus Benton D. The impact of supply of glucose to the brain on mood and memory. Nutr Rev, 2001; 59: S20-S21)

*Werbelink


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Allgemein Leben thoughts

thoughts: #weihnachtenistindir

Gerade bei Menschen, die uns am nächsten stehen, fällt es uns oft am schwersten, unsere Zuneigung zu zeigen und Sachen zu tun, die nicht selbstverständlich sind, oder uns nicht sofort aufzuregen, wenn was nicht passt – dabei geht es meist um „Kleinigkeiten“, um Alltagssituationen, die manchmal ein Stolperstein sein und Disharmonie herbeiführen können. Nein, es muss nicht immer alles nur harmonisch sein, aber man bemüht sich oft nicht genug um Rücksicht und Toleranz.

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In Zeiten von gehypten Riesen-Egos und Ich-ich-ich-Mentalität möchte ich mir Gedanken machen, wieviel ich selbst eigentlich für Menschen tue, die mir am nächsten stehen. Heute soll es in meinem Fall um P. gehen (ihr habt ihn HIER schon mal zu Gesicht bekommen). Seit 14 Jahren ist er mein bester Freund und meine wichtigste Bezugsperson und seit 1o Jahren auch mein Mitbewohner in unserer sogenannten Etagen-WG. Große Zahlen, nicht wahr? :)

So oft, wie wir jeweils am Leben des anderen teilgenommen und einander beigestanden haben, haben wir uns aber auch schon in die Haare gekriegt. Logisch! Deswegen möchte ich im Rahmen der Otto-Aktion zum Motto „Weihnachten ist in dir“ (schaut euch den süßen Zeichentrickfilm dazu an!) darüber nachdenken, was ich persönlich Gutes tue, und zwar in meinen eigenen vier Wänden! Denn statt die Welt zu retten, könnte man ja auch damit anfangen, dass man nicht gleich an die Decke geht, wenn das Geschirr unabgespült blieb.

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Hier kommen vier kleine große Gesten:

  • Trösten

Wer kennt das nicht? Der Gute hat Schnupfen, und schon geht die Welt unter, denn er leidet mindestens wie ein ganzes Lazarett. Man selber kommt gerade von einem anstrengenden Arbeitstag und würde den Lamentierenden am liebsten mit einem „Tu nicht so!! Das „schwache Geschlecht“ sind einfach die Männer!!“ niederschmettern. In solchen Situationen schaffe ich es nicht immer – aber immer öfter, seine Hand zu nehmen und aufrichtig „Du armer! Soll ich dir einen Tee machen?“ zu sagen. Schließlich kann ein Schnupfen auch sehr unangenehm sein –  Anteilnahme dagegen macht jedes Leiden ein bisschen erträglicher. (Das gilt natürlich für alle Geschlechter!)

  • Loben

Wie oft hatten wir diese Situation: ich komme nach Hause, und weiß sofort: P. hatte gekocht. Man muss kein Detektiv sein, um zu erkennen, dass es mal wieder etwas mit der vollen Ladung Knoblauch war, und zwar schon vor einigen Stunden, weil der Geruch  kalt und abgestanden ist. Mmmhhh, lecker – NICHT! Sofort bin ich auf hunderachtzig und stürze mich auf P., als er zur Tür reinkommt. Dabei nehme ich es gar nicht zur Kenntnis, dass er extra nochmal unterwegs war, um mir meine Lieblings-Apfelsorte zu holen. Es kommt, wie es kommen muss – er ist sauer, dass ich undankbar bin, und ich bin sauer, weil ich in dem Moment nicht verstehe, wie er bei der vollgeknoblauchten Wohnung Dankbarkeit von mir erwarten kann.

Wie viel besser ist es, wenn ich es manchmal schaffe, fünf gerade sein zu lassen und sage: „Ohhh, voll lieb von dir! Danke für die Äpfel!! Übrigens, könntest du mich bitte nächstes Mal vorwarnen, wenn du mit Knoblauch kochst?“

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  • Ermutigen

Wenn einen mal wieder eine Pechsträhne überrollt – wie schön ist es, vom anderen zu hören: „Du schaffst das!“,  „Das wird schon!“,  „Alles wird gut!“. Den letzten Satz schicken wir uns auch oft per sms zu. So einfach – und soooo wohltuend!

  • Vertrauen

Gerade den Kontrollfreaks unter uns, die es gewohnt sind, alles selber zu wuppen, fällt es oft schwer, die Kontrolle abzugeben und jemanden einfach tun zu lassen, ohne „gutgemeinte“ Ratschläge, ohne Zweifel. Wenn man sich aber in sein Gegenüber hineinversetzt und sich vorstellt, wie es sich anfühlt, wenn man ständig von jemandem kontrolliert und bevormundet wird, wird schnell klar, dass sich jeder von uns viel besser entfalten kann, wenn er spürt, dass ihm vertraut wird.

Menschen zu Vertrauen fällt mir nicht schwer. Meine Grundhaltung ist eher so, dass wenn jemand behauptet, etwas tun zu können, dann glaube ich ihm das erstmal und zweifle es erst an, wenn ich sehe, dass es nicht funktioniert. Ich vertraue auch P. und trau ihm jeden Tag aufs Neue zu, dass er das Richtige tun und sein Leben meistern kann. Selbst wenn er einen „Fehler“ macht, tut es dem Ver- und Zutrauen keinen Abbruch, denn objektiv gesehen gibt es gar keine Fehler, sondern nur Situationen, wo etwas ganz anders läuft, als geplant. Solange man daraus etwas für sich mitnimmt, war es also kein Fehler, sondern eine Erfahrung.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine schöne Adventszeit mit weniger Ego, sondern mehr gesunder Selbstliebe und sozialen Verhaltens!

Mich würde interessieren – was tut ihr alles für eure Lieben??

 

*in freundlicher Zusammenarbeit mit Otto

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